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Wo das Bier in rauen Mengen fliesst

Die Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden ist die grösste Bierherstellerin und Getränkehändlerin der Schweiz. Hierher hatte Markus C. Krack, bei GS1 Schweiz Dozent für Produktionslogistik, die Teilnehmenden des Logistikfachleutelehrgangs zu einem Praxistag geladen.

Der Morgen in Rheinfelden fand zwar in der pittoresken Umgebung der altehrwürdigen Feldschlösschen-Gemäuer statt, stand aber zunächst im Zeichen der Schulung. Markus Krack erörterte die Grundlagen der Produktionslogistik, leitete über zum Thema Wertschöpfungsmanagement und zeigte dann die wichtigsten Aspekte rund um die Abwicklung eines Produktionsauftrags auf. Danach übergab er an einen Vertreter der Brauerei.

EINEN AIRBUS, BITTE!

René Hak, Customer Supply Chain Manager, erzählte den Teilnehmenden in anschaulicher Weise von den Planungsprozessen bei Feldschlösschen. Zwischen Distribution und Nachfrage angesiedelt, befinde sich die Planung grundsätzlich in einer Konfliktzone. Denn der Verkauf habe andere Wünsche als die Produktion und diese wiederum andere Prioritäten als die Finanzen, nicht zuletzt bezüglich der Funktion des Lagers. An dieser Stelle erläuterte er anhand von unterschiedlichen Industrien die verschiedenen Arten von Lagern. «Wenn Sie bei Airbus anrufen und eine A380 bestellen, wird man Ihnen nicht sagen, Moment, wir schauen rasch nach, was wir da haben», witzelte er. «Wenn Sie hingegen einen Kasten Bier ordern, erwarten Sie sofortige Lieferung.»

FORECAST

Bei einem Unternehmen wie Feldschlösschen sei das Lager ein wichtiger Faktor der Produktionsplanung, weil verderbliche Ware im Spiel sei. Die Planung erfolge trotzdem jeweils zwei Jahre im Voraus. «Das heisst, wir müssten eigentlich jetzt wissen, wie die Hopfenernte im 2016 aussehen wird», erläuterte er die Schwierigkeit. Doch das Rohmaterial sei nur die eine Seite; Kapazitäten, Erfahrungswerte, geplante Promotionen bei wichtigen Abnehmern und vieles mehr spielten für den Forecast eine ebenso wichtige Rolle. Im Detail umfasse die Planung nicht weniger als 60 000 Berechnungspunkte, umgesetzt in ein «Rough Cut Capacity Planning», das jeweils 12 Monate rollierend umfasse. Eingerechnet ist eine reaktive Kapazität: Die Auslastung der Produktionsmittel ist nur zu 95 % geplant, um kurzfristig reagieren zu können.

KRACK NIMMT BEISPIELE AUF

Den Abschluss des Morgens bildete eine zusammenfassende Einheit durch den Dozenten. Hier verband Markus Krack die von René Hak erwähnten Fakten mit der Theorie und den Lernzielen. Was bedeutet etwa «Kapazität» genau, und was ist ein «Kapazitätsplatz»? Weiter ging es mit der für die Produktion nötigen Infrastruktur, Begriffen wie Kundentoleranzzeit, Warenf luss, Wertschöpfung und schliesslich eine zusammenfassende Darstellung der Voraussetzungen jeder Produktion, nämlich Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Information und Kapazität.

EINDRÜCKLICHER RUNDGANG

Nach dem Mittagessen war es an Marcel Braun, die Teilnehmenden durch die Anlagen zu führen. Er erläuterte kurz die Anlieferung, das Sudhaus, die Verarbeitung der Gerste zu Malz und die Wiederverwertung des Tresters. Der Weg zur Abfüllanlage und zum Lager führte durch das kleine, aber schön bestückte Museum. Aber auch die Anlieferung und das Management von Leergut wurden besprochen; allein damit hat Feldschlösschen einen bedeutenden Warenwert in der Schweiz unterwegs.

TEMPO

Atemberaubend dann der Blick auf das Herzstück der Anlage, die Abfüllerei. In horrendem Tempo bewegen sich hier abertausende von Flaschen durch die Halle. Bis zu zwei Mal 45 000 Flaschen können abgefüllt werden – pro Stunde! In absoluten Spitzenzeiten wird in einem Vier-Schicht-Betrieb gearbeitet. Der enttäuschende Sommer 2014 forderte allerdings auch hier Tribut. «Gegenwärtig fahren wir nur zwei Schichten », berichtete Marcel Braun. Danach führte der Rundgang durch die verschiedenen Teile des Lagers, wo man eine Vorstellung bekam, wie viel Bier in der Schweiz getrunken wird. «Der Konsum an Schweizer Bier ist allerdings leicht rückläufig», wusste Marcel Braun. «Nicht so, dass wir uns gross Sorgen machen müssen, aber eine Diversifizierung ist sicher richtig. So handeln wir mit ausländischen Biermarken, aber auch mit verschiedenen anderen Getränken und sogar mit Wein.» Besonders im Rüstlager wurden diese Tatsachen dann sehr anschaulich.

BEIM BIER

Selbstverständlich durften die Teilnehmer den Tag im Feldschlösschen-Restaurant bei einem Bier ausklingen lassen und zeigten sich begeistert von diesem Praxistag. «Eine wunderbare Abwechslung ist das», berichtete eine angehende Logistikfachfrau. «Zwar geben sich etliche Dozenten Mühe, nicht einfach Folien herunterzubeten, aber sehr anschaulich ist der Unterricht halt meistens doch nicht.» Ein anderer pf lichtet bei: «Was in der Schulstube nur graue Theorie ist, wird hier plötzlich greif bar. Und das bleibt einem dann auch viel besser im Gedächtnis.» Die Qualität der Führung wurde allseits gelobt. Einziger Wunsch der Teilnehmenden wäre gewesen, dass man nicht ganz so viel Zeit im Lager verbracht hätte: «Ich wäre viel lieber noch näher an diese Abfüllanlage ran» sagte ein Teilnehmer, «oder in das Sudhaus» ein anderer. Aber andererseits habe man beim Rundgang das Engagement der Feldschlösschen-Mitarbeiter gespürt – «und die sind halt auch stolz auf ihr hervorragend organisiertes Lager.»

Jürg Freudiger

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Praxistag Rheinfelden 092