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Vier Meter pro Sekunde

«Extrem eindrücklich!» «Mir ist die Spucke weg geblieben!» «Wahnsinn!» -- So oder ähnlich klangen praktisch alle Reaktionen nach der Führung durch das Briefzentrum Härkingen.

Eingeladen hatte Dozent Walter Lusti. Der Praxistag war Teil seines Moduls Lagerlogistik, das er bei den angehenden GS1-Logistikfachleuten unterrichtet. Theorie und PowerPoint standen an diesem Tag im Hintergrund, genauso wie der Dozent selber. Denn bereits die Einleitung übernahm mit Christine Ackermann eine ausserordentlich kompetente Person. Schon anhand ihrer Präsentation einiger Eckdaten merkte man, dass sie speziell für Besucherführungen ausgebildet worden ist. Souverän beantwortete sie sämtliche Fragen.

Quer durchs Land

Das Briefzentrum Härkingen ist eines von drei in der Schweiz; dazu kommen acht Logistikzentren. Während Härkingen das Einzugsgebiet Mitte inklusive Berner Oberland und Wallis abwickelt, ist Eclépens für die Westschweiz und Zürich-Mülligen für die Ostschweiz zuständig. Früher habe es 18 Zentren gegeben, erzählt Christine Ackermann, oft mitten in der Stadt, eine Organisation aus den 60er Jahren. Dann zeigt sie den Weg eines Briefes auf, der 17.45 Uhr in Simplon Dorf aufgegeben wird und am folgenden Tag um 8 Uhr morgens in Vals zugestellt ist: Von Simplon aus reist er mit dem Postauto nach Brig und dann im Zug nach Härkingen für den ersten Sortiergang. Von dort gehts mitten in der Nacht ins BZ Zürich-Mülligen für den zweiten Sortiergang. Um 03.00 Uhr geht die Reise per Zug weiter nach Landquart, dann mit dem LKW nach Illanz und nochmal per LKW nach Vals. Das sei natürlich der Fall eines A-Post-Briefes, sagt Christine Ackermann. Zu 98% sei A-Post am nächsten Tag geliefert. Genau aus diesem Grund sei in Härkingen die Nacht für A-Post reserviert. B-Post wird tagsüber erledigt.

Vier Meter pro Sekunde

Am Wareneingang erfolgt als Erstes eine Sortierung nach Format und Produkt. B-Post wandert zunächst ins Hochregal, A-Post wird sogleich verarbeitet. Bei 95 Prozent aller Briefe erfolgt dies ausschliesslich maschinell. Dabei erhalten die Sendungen gleich zu Beginn einen orangen Strichcode, was bei roten Couverts übrigens bisweilen zu Schwierigkeiten führen kann. Danach werden die Briefe in atemberaubendem Tempo durch die Halle geschleust. Mit vier Metern pro Sekunde schiessen Sie durch das Fördersystem und werden wie von Geisterhand in bereit stehende Behälter spediert. Dieser erste Sortierschritt orientiert sich an den ersten beiden Stellen der Postleitzahl. Das erlaubt die Aufteilung in Nah- und Fernbereich; im zweiten Fall geht der Brief unter Umständen weiter an eines der anderen beiden Briefzentren.

Detektivarbeit

Probleme ergeben sich bei unvollständiger oder schlecht lesbarer Adresse, aber auch dann, wenn beispielsweise jemand mit Silberstift schreibt. Der betreffende Brief wird automatisch fotografiert und das Bild wird ins Logistikzentrum Sion geschickt. Dort versucht jemand am Bildschirm herauszufinden, wo der Brief hin soll. Ist er erfolgreich, kann er die Postleitzahl eintippen, der betreffende Brief erhält seinen orangen Code und kann weiter verarbeitet werden, ohne dass er das Fördersystem je verlassen hätte. Nur, wenn die Adresse in Sion nicht eruiert werden kann, wird der Brief aus dem System herausgenommen und von Hand weiterverarbeitet. Notfalls wird er geöffnet, um den Adressaten zu ermitteln. Dies geschieht in der sogenannten Briefklinik durch speziell geschulte Mitarbeitende, die selbstverständlich dem Postgeheimnis unterliegen. Noch anders ist es mit Briefen an den Nikolaus oder ans Christkind. Sie wandern nach Chiasso und werden dort beantwortet – mit Stempel Bethlehem, nota bene.

Zusammenhänge werden erkannt

Walter Lustis Studenten zeigten sich nicht nur beeindruckt von der Anlage und der Professionalität der Führung, sondern hoben auch den grossen Nutzen eines solchen Praxistages hervor. «Was wir hier gesehen haben, hat einen anschaulichen Bezug zum Modul und zu spezifischen Themen davon», sagte beispielsweise eine der Teilnehmerinnen, die selbst in einer Disposition arbeitet. «Begriffe wie Hochregal oder der Spezialfall eines Durchlaufregals werden plötzlich sehr konkret», ergänzte ein anderer. Ein weiterer hält fest, dass hier ein wichtiger Teil der Ausbildung abgebildet worden sei, von der Warenannahme bis zum Warenausgang, «dazwischen diese einmalige Fördertechnik, das Generieren von Strichcodes und automatische Anbringen an Behälter und Rollwagen – sehr anschaulich». Die Verteilung, die hier erfolge, sei eigentlich eine artikelorientierte Kommissionierung, weiss einer. Und ein anderer weist darauf hin, dass man hier auch Prozessmanagement am Werk gesehen habe; ebenso die Umsetzung einer wichtigen Regel: «Grosser Wareneingang, kleine Behälter! Das ist natürlich cool, dass wir langsam Inhalte von verschiedenen Modulen verknüpfen können!» Eine weitere Studentin bestätigt dies: «Man sieht langsam, dass alles, was man lernt, einen Zusammenhang hat.»

Jürg Freudiger
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