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Section 1

«Wie die Jungfrau zum Kind»

Er hatte ursprünglich Koch gelerntund entdeckte dann seine Leidenschaft für Logistik. Nachdiversen Weiterbildungen und Karriereschritten ist er heute Filialleiterbei der Planzer Transport AG in Härkingen und Dozentbei GS1: Stephan Keller.

Herr Keller, jeder kennt die Lastwagenvon Planzer, sie gehören zum Strassenbild des Landes. Aber das Unternehmen ist nicht nur im Transportwesen tätig, oder?

Richtig. Planzer war ja von 1936bis 1966 eine Einzelfirma, seither eine AG, immer noch zu 100 Prozentin Familienbesitz und heute in dritter Generation geführt. Nebenden rund 1300 Fahrzeugen für nationale und internationale Transporte verfügt die Firma auch über ein Lager mit insgesamt 820 000 Quadratmetern, was Platz für etwa 148 000 Paletten bietet. Unser Angebot beinhaltet nicht nur das Einlagern von normalen Produkten und Gefahrengut, sondern auch Dienstleistungen wie Kommissionierung, Konfektionierung und mehr. Diese Diversifizierungerfolgte ab 1994 wegen der LSVA. Planzer beschäftigt heute rund 3600 Mitarbeitende, davon 170 Lernende.

Und wie kommt es, dass ein Kochbei Planzer landet?

Ich bin in meinem Leben verschiedentlichzu neuen Aufgabengebieten gekommen – wie die Jungfrauzum Kind. Die Liebe zur Logistik habe ich entdeckt, als ich einenMoment lang im Wareneingang eines Grosshandelsunternehmensarbeitete und diese Affinität hat sich später gleich mehrmals bestätigt.Mit Dreissig habe ich beschlossen, dass ich das vertiefenwill und habe bei der Vorgängerorganisation der GS1 den Logistikleitergemacht. Später kam ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaftdazu. Aber so weit weg ist das gar nicht: Beim Kochen gibtes sehr viele logistische Aspekte. So sollen beispielsweise alle Teileeines Gerichts gleichzeitig fertig sein und warm serviert, also verteiltwerden können!

Und wie kamen Sie zur GS1?

Nachdem ich schon meine Weiterbildungen dort besucht hatte, bin ich bald einmal Prüfungsexperte geworden. Die Anfrage, ob ich Dozent im Fach Distributionslogistik sein möchte, kam dann für mich auch wieder aus dem Nichts. Das war etwa 2010 und ich habe mich durchaus gefragt, ob ich das überhaupt kann. Ich hatte aber Gelegenheit, mit einem sehr erfahrenen Dozenten, Beat Schlumpf, zusammenzuarbeiten. Ich durfte zunächst sein Script benutzen. Später haben wir zusammen einen Logistik & Fördertechnik Nr. 7/8 • 13. August 2013 komplett neuen Lehrgang aufgebaut. Aber als ich das erste Mal vor der Klasse stand, war ich extrem nervös.

Aber es hat geklappt!

Ja, und ich habe gemerkt, dass ichdas sehr gerne mache. Als Student war ich fasziniert gewesen vonDozenten, die ihre eigene Erfahrung einbrachten, die ihre Foliennur als Leitfaden benutzten und dann konstant mit BeispielenPraxisbezug schufen. Also habe ich versucht, das auch so zu machen,offenbar mit Erfolg. Unsere Studenten schneiden an den Prüfungenjedenfalls gut ab und ich bekomme auch erfreuliche Feedbacks.

Dann sind Sie Dozent ohne jedeAusbildung?

Schon nicht ganz, ich durfte einenmethodisch-didaktischen Kurs besuchen. Gute Sache, abernützen wird Ihnen das nur, wenn Sie den Leuten dann auch Ihreeigene Leidenschaft vermitteln können, wenn Sie es schaffen, denStudierenden Links aufzuzeigen zu ihrer eigenen Erfahrungswelt.Sehen Sie, mit Distributionslogistik kommt jeder ständig in Berührung;das fängt ja damit an, dass man morgens die Zeitungim Briefkasten vorfindet. Die Studenten merken dann jeweilsrasch, dass auch in ihrem Betrieb vieles damit zusammenhängt.Und dann kommen plötzlich spannende Inputs und Lösungsansätze.Der Unterricht beginnt zu leben, das liebe ich.

Wenn Sie einem Laien sagenmüssten, was Distributionslogistik ist, wie würden Sie das umschreiben?

Die Aufgabe besteht darin, denrichtigen Verkehrsträger oder die richtige Kombination von Verkehrsträgernzu wählen. Lkw, Schiene, Seeweg oder Luftfracht?Vielleicht handelt es sich auch um ein Gut, das per Pipeline transportiertwerden kann? Dabei muss man aber vieles berücksichtigen: Infrastruktur,Personalfragen, Ladungsträger, Datenverkehr, Aspekte derNachhaltigkeit, Abgaben, Zölle, Versicherungen und vieles mehr.Auch politische Fragen spielen rein, denken Sie an die LSVA; ausserdemTrends wie die Globalisierung. Immer mehr wird in Billiglohnländernproduziert, aber das bringt extreme Transportaufgaben mit sich. Ichpersönlich glaube, dass wir schon bald wieder darüber nachdenken,wo wir produzieren wollen.

Das klingt, als sei Distributionslogistikein anspruchsvolles Fach!

Das ist es schon. Aber man kanndiesen Stoff eben mit genügend Praxis anreichern. In meinem Unterrichtgibt es sehr viele Fallbeispiele, Gruppenarbeiten und Präsentationen.Wenn ein Unterricht erlebbar ist, dann ist er gut, egalwie komplex der Stoff ist.

Interview: Jürg Freudiger

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Der Dozent

Stephan Keller, Jahrgang 1967,absolvierte zunächst eine Lehre als Koch und arbeitete danachim elterlichen Betrieb. Nach seinem Quereinstieg am Waren-eingangeines Grosshandelsunternehmens wechselte er in die Produktionslogistik eines chemischen Betriebs. Danach kehrte er zuseinem ehemaligen Arbeitgeber zurück, leitete denWareneingang und bereute später ein Millennium- Bug-Projekt. Nach seiner Ausbildung zum Logistikleiter übernahm er im Betrieb die Leitung Logistik. Es folgte ein Zwischenstopp bei Swisslog, dann wurde er Geschäftsführer einer neu gegründeten Firma, die in einem logistischen Nischengeschäft tätig war. Der Transportbereich dieser Firma wurde vier Jahre später von der Planzer Transport AG übernommen. Dort ist Stephan Keller seit 2007 tätig, zuerst als Betriebsleiter und später als Filialleiter in Härkingen

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